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Sexuelle Belästigung sichtbar machen
12. Mai 2022

Überall erleben Menschen sexuelle Belästigung – auch im Kanton St. Gallen. Im Rahmen der Kampagne «Kein Platz für Sexismus» hat die kantonale Gleichstellungsförderung eine Umfrage zu Erfahrungen mit sexueller Belästigung lanciert. Mit einer Plakataktion soll der Dialog über sexuelle Belästigung auch in der Öffentlichkeit stattfinden.

Sexuelle Belästigungen im öffentlichen Raum wie: «Häsch mega geili Brüscht - dörfi mol?», «Hey Schätzli, wo anä gohts no?», «Di würdi gärn mol f****!» sind für viele Menschen – vorwiegend Frauen – eine Realität. Anzügliche Bemerkungen, Pfiffe und Handgreiflichkeiten sind weit verbreitet. Das zeigt eine aktuelle Umfrage im Kanton St. Gallen, die das  Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung (KIG) im Rahmen der Kampagne «Kein Platz für Sexismus» durchgeführt hat.

Sexuelle Belästigung im Kanton St. Gallen weit verbreitet
Fast 900 Personen haben zwischen Oktober 2021 und Februar 2022 an der Umfrage teilgenommen. Die Resultate machen deutlich, wie alltäglich sexuelle Belästigung im Kanton St. Gallen ist. 84% der teilnehmenden Frauen und 17% der teilnehmenden Männer wurden schon ein Mal oder mehrmals sexuell belästigt. Die Umfrageergebnisse zeigen auch auf, wo und in welchen Formen sexuelle Belästigung vorkommt. So berichten die Befragten vor allem von sexistischen Bemerkungen (sogenanntes «Catcalling») gefolgt von unangenehmer Nähe, unangemessenen Blicken sowie ungewollten Umarmungen und Küssen. Unwohl fühlen sich die betroffenen Personen überwiegend im Ausgang, im öffentlichen Verkehr, am Bahnhof oder an Haltestellen.

Kampagne macht Belästigungen sichtbar
Eine vertiefte Auseinandersetzung mit sexueller Belästigung, wie zum Beispiel zum Ausmass, der Alltäglichkeit und der Vielfalt der Erfahrungen von betroffenen Personen findet kaum statt. Diesem Umstand möchte die Kampagne «Kein Platz für Sexismus» entgegenwirken. Mit einer Plakat-Aktion und begleitenden Veranstaltungen im ganzen Kanton (siehe Kasten) soll ein Zeichen gegen sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum gesetzt werden. Sexuelle Verhaltensweisen, die tagtäglich passieren und von vielen als «harmlos» oder «tolerierbar» eingestuft werden, sollen öffentlich sichtbar gemacht und reflektiert werden.

Die Plakat-Aktion startet am Montag, 25. April 2022. Angelehnt an die internationale Bewegung der Catcalling-Accounts werden reale Sprüche und Kommentare, die im Rahmen der Umfrage gesammelt wurden, auf grossen Plakaten im öffentlichen Raum aufgehängt. Mit der Aktion wird die Bevölkerung aufgefordert, diese Verhaltensweisen zu reflektieren, hinzuschauen und sich dem Ausmass an sexueller Belästigung bewusst zu werden.
Ebenso soll die Aktion dazu anregen, sich über gängige Geschlechterrollen und  -hierarchien zu unterhalten und diese gemeinsam zu hinterfragen. Sind solche Äusserungen wirklich «normal»? Welche Rollenvorstellungen begünstigen ein solches Verhalten? Und was können wir als Individuen aber auch als Gesellschaft dagegen tun.

«Kein Platz für Sexismus» ist eine überregionale Kampagne gegen sexuelle Belästigung des Kompetenzzentrums Integration und Gleichstellung (KIG), des Amtes für Soziales, Abteilung Chancengleichheit Appenzell Ausserrhoden sowie der "infra" und dem Fachbereich Chancengleichheit Fürstentum Liechtenstein. Nebst Sichtbarmachung, Sensibilisierung und Reflektion stehen für die Projektträgerinnen auch die Stärkung einer gemeinsamen Haltung in der Gesellschaft sowie das potentielle Empowerment betroffener Personen im Fokus. Gemeinsam soll ein Beitrag dazu geleistet werden, dass sich alle Menschen im öffentlichen Raum sicher und frei bewegen können – ohne Angst, belästigt zu werden. Unterstrichen wird diese Botschaft mit dem eingängigen Kampagnenslogan «Mein Körper. Mein Raum. Mein Recht.»

 

Veranstaltungen im Rahmen von «Kein Platz für Sexismus»:
12. Mai 2022, 18 bis 19 Uhr – Online
Digital-Talk zu «Street Harassment – Sexismus im öffentlichen Raum»

7. Juni 2022, 18 bis 22 Uhr – Herisau oder
12. September 2022, 18 bis 22 Uhr – Altstätten
Amnesty International Kurs zu «Hände weg – Zivilcourage bei sexueller Belästigung»

 

Weitere Informationen zu dieser Kampagne finden Sie hier.

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